Dexpanthenol-haltige Topika überzeugen bei Radiodermatitis

Porträt einer älteren, schönen Frau mit grauen Haaren, die Anti-Aging-Creme auf ihr faltiges Gesicht aufträgt, während sie in den Spiegel schaut – Hautpflege-Konzept
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Radiodermatitis zählt zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Strahlentherapie – bis zu 95 % der Patient:innen entwickeln im Verlauf der Behandlung sichtbare Hautveränderungen. Diese reichen von Rötungen und Juckreiz bis hin zu feuchter Desquamation und offenen Läsionen. Neben körperlichen Beschwerden beeinträchtigt die Radiodermatitis auch die Lebensqualität, Therapieadhärenz und letztlich die Wirksamkeit der Strahlenbehandlung.

Trotz der hohen Relevanz existieren bislang keine einheitlich standardisierten Vorgehensweisen zur Prävention und Therapie dieser Nebenwirkung. Eine im Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft veröffentlichte Befragung gibt nun wichtige Einblicke in die gängigen Praktiken im deutschsprachigen Raum (doi: 10.1111/ddg.15279)

Die Umfrage: Einblicke in die klinische Praxis

Befragt wurden 244 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) – darunter Fachleute aus Universitätskliniken, nicht akademischen Krankenhäusern sowie Privatkliniken. Insgesamt setzten sich die Teilnehmenden zusammen aus 43 % Chef- oder Oberärzt:innen, 28 % Fachärzt:innen für Radioonkologie, 24 % Assistenzärzt:innen und 5 % Pflegekräften oder technischen Assistenzen.

Die Auswertung der Umfrage offenbarte ein heterogenes Bild: Das Management der akuten Radiodermatitis unterscheidet sich deutlich zwischen den Einrichtungen und basiert nicht immer auf den Leitlinien.

Prävention: Dexpanthenol an erster Stelle

In der präventiven Behandlung der Radiodermatitis sprechen sich die meisten Befragten für eine topische Therapie aus. Dexpanthenol-haltige Topika wurden von 53 % der Fachleute als bevorzugte Maßnahme genannt, gefolgt von Harnstoff-haltigen Produkten mit 30 % Zustimmung. Etwa gleich viele empfanden jedoch keine der topischen Optionen als wirklich effektiv.
11 % der Teilnehmenden bevorzugten Kortikosteroide, während Puder, früher häufig eingesetzt, heute als unwirksam eingeschätzt wird.

Eine klare Haltung bestand in der Frage der systemischen Prävention: Substanzen wie Zink oder Vitamin E werden von der Mehrheit als nicht wirksam betrachtet.

Therapie: Dexpanthenol bleibt Favorit

Noch deutlicher zeigte sich die Präferenz bei der therapeutischen Behandlung der akuten Radiodermatitis. Hier lagen Dexpanthenol-haltige Topika mit 77 % der Nennungen klar an der Spitze. Den zweiten Platz belegten Kortikosteroide mit 47 %, gefolgt von Harnstoff-haltigen Präparaten mit 36 %.

In der Einschätzung der Wirksamkeit führten Kortikosteroide die Bewertungsskala an, dicht gefolgt von Dexpanthenol. Ebenfalls genannt, wenn auch selten eingesetzt, wurde die Low-Level-Lasertherapie, die in Einzelfällen positive Ergebnisse zeigen kann.

Die Pocketcard zu den Ergebnissen finden Sie hier auf medbee: https://medbee.org/contents/bf4558dd-02ef-a54e-19a2-fdad49f49fcc

Feuchte Therapie bei fortgeschrittener Schädigung

Etwa ein Drittel der Patient:innen entwickelt im Verlauf der Radiotherapie eine feuchte Desquamation, die durch brüchige und dünner werdende Haut gekennzeichnet ist. In diesen Fällen bevorzugen fast zwei Drittel der Befragten eine feuchte Wundbehandlung, um die Regeneration des Gewebes zu fördern und die Heilung zu beschleunigen. Bei Grad 2–3 setzen 44 % der Fachkreise zusätzlich lokale Antiseptika – insbesondere Octenidin-Dihydrochlorid – ein, um Infektionen vorzubeugen und den Heilungsprozess zu stabilisieren .

Bedeutung für Praxis und Patient:innen

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die radioonkologische Praxis stark auf topische Behandlungsansätze stützt – mit Dexpanthenol als zentralem Bestandteil. Der Wirkstoff ist bekannt für seine epithelregenerativen und hautberuhigenden Eigenschaften, die insbesondere bei entzündeten oder geschädigten Hautarealen relevant sind.

Zudem unterstreicht die Befragung die Bedeutung einer individualisierten Hautpflege während der Strahlentherapie. Eine gute Hautregeneration kann nicht nur die Lebensqualität der Patient:innen steigern, sondern auch die Therapietreue und Behandlungsfortschritte fördern.

Fazit: Einheitliche Standards fehlen, Dexpanthenol überzeugt

Die Umfrageergebnisse liefern ein klares Bild: Dexpanthenol-haltige Topika sind mit 53 % in der Prävention und 77 % in der Therapie die am häufigsten empfohlenen Präparate. Kortikosteroide nehmen in beiden Phasen eine ergänzende, aber wichtige Rolle ein. Harnstoff-haltige Zubereitungen ergänzen das Spektrum, werden jedoch deutlich seltener eingesetzt und systemische Maßnahmen spielen praktisch keine Rolle im klinischen Alltag.

Trotz der breiten Anwendung existieren bislang keine verbindlichen Leitlinien, die das Management der akuten Radiodermatitis standardisieren. Die Umfrage zeigt jedoch: Dexpanthenol bleibt der bevorzugte und bewährte Wirkstoff zur Pflege, Prävention und Behandlung strahleninduzierter Hautschäden in der deutschsprachigen Radioonkologie.

Quellen:
  • Layer J et al. JDDG Dez 2023; doi: 10.1111/ddg.15279
  • Springer Medizin: Umfrage: Topika mit Dexpanthenol bei Radiodermatitis empfohlen. 2024. https://www.springermedizin.de/umfrage--topika-mit-dexpanthenol-bei-radiodermatitis-empfohlen/26758328 (abgerufen am 04.01.2026).
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