Problematische Mediennutzung im frühen Jugendalter

Eine Gruppe von 6 Menschen verwendet Smartphones. Der Bildausschnitt zeigt die Hände der dargestellten Personen.

Die Nutzung von Handys, sozialen Medien und Videospielen ist für viele Kinder heute Alltag. Eine neue, große US‑Studie (American Journal of Preventive Medicine 2026, DOI: 10.1016/j.amepre.2025.108248) zeigt nun, dass es nicht allein die Dauer, sondern die Art der Nutzung ist, die das Risiko für psychische Probleme, Schlafstörungen und Suizidalität im Jugendalter erhöht. Grundlage sind Daten aus der „Adolescent Brain Cognitive Development“ (ABCD)‑Studie mit über 8.000 Kindern. Die Autorin und der Autor des Artikels hatten den Fokus nicht auf reine Nutzungsdauer, sondern auf suchtartige Verhaltensmuster.

Suchtartige Nutzung, nicht nur Bildschirmzeit:  

Die Auswertung beruht auf Daten von 8.119 Kindern, die im Alter von etwa 11–12 Jahren (Jahr 2 der ABCD‑Teilnahme) zu ihrem Umgang mit Handys, sozialen Medien und Videospielen befragt wurden. Die Forscherinnen und Forscher nutzten ein auf Abhängigkeit ausgerichtetes Frageinstrument, das nicht nur die Anzahl der Stunden erfasste, sondern auch, ob sie sich ohne Medien gestresst fühlten oder ob Schlaf, Stimmung und Alltag beeinträchtigt wurden. Erstautor Jason Nagata von der University of California in San Francisco betont: „Nicht jede Bildschirmzeit ist schädlich“. Die Gefahr steige, wenn die Mediennutzung suchtähnlich werde.

Zusammenhang mit psychischer Gesundheit

Ein Jahr später, im Alter von etwa 12–13 Jahren, zeigten sich bei Kindern mit suchtartiger Nutzung von Handys oder sozialen Medien höhere Scores für depressive, somatische, Aufmerksamkeits‑, oppositionell trotzige und Verhaltensprobleme. Außerdem war die Suizidalität, die Häufigkeit von Schlafstörungen und die Wahrscheinlichkeit für erste Drogenkontakte (z. B. erster Alkoholtrunk, erster Zug Marihuana oder Tabak) deutlich erhöht. Ähnliche, aber etwas schmaler gestreute Befunde fanden sich bei der Bewertung suchtartiger Videospielnutzung, die ebenfalls mit erhöhten Risiken für Depression, Aufmerksamkeitsprobleme, Trotzverhalten, Suizidalität und Schlafstörungen verknüpft war.

Frühes Jugendalter als kritischer Abschnitt

Die Befunde, dass suchtartige Mediennutzung mit einem so breiten Spektrum an psychischen und gesundheitlichen Problemen korreliert, deuten nach Ansicht der Forschenden darauf hin, dass das frühe Jugendalter ein kritisches Zeitfenster für Prävention und Intervention darstellt. In diesem Lebensabschnitt lassen sich Handlungs‑ und Verhaltensmuster prägen, die sich später schwerer ändern lassen. Die Autoren betonen, dass problematische Mediennutzung eine „veränderbare Exposition“ ist – sie kann sowohl familiär als auch über technische und institutionelle Maßnahmen beeinflusst werden.

Rolle von Eltern, Fachverbänden und Politik

Fachorganisationen, so schlagen die Forschenden vor, könnten ihre Leitlinien zur Bildschirmzeit überarbeiten und Familien stärker dazu ermutigen, gemeinsam einen Mediennutzungsplan zu erstellen. Solche Pläne können Regeln zu Nutzungsdauer, Nutzungssituationen, „medienfreien“ Zeiten und Umgang mit sozialen Medien festlegen. Darüber hinaus sollten die möglicherweise bidirektionalen Zusammenhänge zwischen digitalem Verhalten, psychischer Gesundheit und Drogenkonsum weiter erforscht werden um die Richtung der Kausalität näher in den Fokus rücken.

Ausblick

Die Studie unterstreicht, dass allein die Reduktion der reinen Nutzungsdauer nicht ausreicht, wenn die Nutzung suchtartig ist. Wichtig ist, die Qualität und die Kontexte der Mediennutzung zu betrachten, die psychische Belastungen und Verhaltensrisiken erkennen und frühzeitig intervenieren. Besonders Eltern, pädagogische Fachkräfte und Gesundheitsberufe sind aufgefordert, im frühen Jugendalter auf die Mediennutzung zu achten und verhaltenspräventive Maßnahmen in Alltag, Schule und Gesundheitssystem zu integrieren.

Auch interessant: Depression & soziale Medien: Mit diesen 3 Fakten sind Sie up to date

Auch frühere Studien deuteten bereits darauf hin, dass mit zunehmender Nutzungsdauer sozialer Medien bei Jugendlichen und Erwachsenen auch das Risiko für depressive Symptome steigt. Wo mögliche Risiken liegen und weshalb soziale Medien zugleich Chancen bieten können, wird im Folgenden beleuchtet. Erfahren Sie mehr!

Quellen:

Deutsches Ärzteblatt (2026): Auf suchtartige Mediennutzung in der frühen Jugend könnten gesundheitliche Probleme folgen. https://www.aerzteblatt.de/search/result/d112110a-dae7-40c0-b8d3-8108635c5e12?q=schlaf+und+depression (abgerufen am 23.04.2026)

Nagata, J.M. et al. (2026): Prospective Associations Between Early Adolescent Problematic Screen Use, Mental Health, Sleep, and Substance Use. AJPM. DOI: 10.1016/j.amepre.2025.108248

Auch interessant:
Bild zum Artikel„Heimische Hirnstimulation bei Depression: Ein Hoffnungsschimmer mit Hindernissen“

Depressionen sind weltweit die häufigsten psychischen Erkrankungen. Trotz aller Fortschritte spricht ein Drittel der Patient:innen nicht ausreichend auf vorhandene Therapien an. Dies unterstreicht die Notwendigkeit innovativer Ansätze wie die transkranielle Wechselstromstimulation (tACS). Die Ergebnisse bieten Einblicke in Potenziale und Herausforderungen dieser Technologie.

Bild zum Artikel„Diabetische Fußwunden: Innovative Ansätze gegen eine stille Krise“

Diabetische Fußwunden sind eine unterschätzte Gefahr: Ein innovatives Hydrogel auf Basis von Panthenolcitrat verspricht neue Hoffnung für die Heilung und Prävention von Amputationen.

Bild zum Artikel„Wartezeit-Alarm: Brückenbau gegen Depri-Krise“

Depressionen fordern rasche Hilfe, doch Wartezeiten von bis zu 22 Wochen verzögern Therapie. Neue Daten aus Barometer und Registern beleuchten Ursachen, Auswirkungen auf Familien sowie evidenzbasierte Alternativen für Erwachsene und Kinder.

Navigation Schließen Suche E-Mail Telefon Kontakt Pfeil nach unten Pfeil nach oben Pfeil nach links Pfeil nach rechts Standort Download Externer Link Startseite