Jahreszeitliche Tiefs: Wann wird's ernst?
Saisonale affektive Störung (SAD), umgangssprachlich Winterdepression, manifestiert sich ausschließlich und wiederholt in Herbst- oder Wintermonaten. Betroffene zeigen neben typischen Depressionsmerkmalen auch besondere Auffälligkeiten wie gesteigertes Schlafbedürfnis statt Schlaflosigkeit sowie erhöhten Appetit mit Heißhungerattacken. Solche Episoden unterscheiden sich klar von vorübergehender Trägheit und erfordern gezielte Aufmerksamkeit. Eine Studie (doi: 10.1093/brain/aww043) von McMahon und Kolleg:innen aus dem Jahr 2016 untersuchte Serotonin-Transporter bei SAD-Patient:innen und lieferte neue Einblicke in jahreszeitliche Schwankungen.
Licht als Schlüsselhormon-Regler
Der Lichtmangel im Winter fördert Melatonin-Produktion, was Schläfrigkeit verstärkt, und drosselt Serotonin, den Stimmungsstabilisator. Diese hormonelle Verschiebung erklärt viele Symptome. Die Studie von McMahon et al. (2016) mit 23 gesunden Kontrollpersonen, niedriger Saisonalität und 17 SAD-Betroffenen nutzte PET-Scans im Sommer und Winter. Ergebnis: Bei Hochrisiko-Patient:innen fehlt die winterliche Herunterregulation der Serotonin-Transporter, was zu niedrigen Serotoninspiegeln und damit zu schweren Symptomen führt.
Leitlinienbasierte Ersttherapie
Die Nationale VersorgungsLeitlinie „Unipolare Depression“ empfiehlt Lichttherapie (Phototherapie) als Maßnahme der ersten Wahl. Geeignete Geräte emittieren UV-freies weißes Fluoreszenzlicht mit 2.500 bis über 10.000 Lux. Täglich 30 Minuten bis zwei Stunden morgens nach dem Aufwachen, mit offenen Augen ohne Brille, über Wochen oder Monate anwenden. Auch regelmäßige Bewegung an frischer Luft wie Spaziergänge, Radtouren oder Langlauf bekämpfen SAD effektiv. Solche Maßnahmen steigern Tageslichtexposition und fördern Wohlbefinden.
Praxis-Tipp: Stimmung steigern
Praxis-Mitarbeitende laufen doppeltes Risiko für Winterdepressionen, verstärkt durch Kontakt mit Betroffenen. Eine Selbstmotivationsübung hilft: Vor dem Spiegel affirmieren „Ich erkenne an, dass es mir im Augenblick nicht gut geht. Ich kann aber etwas daran ändern. Ich kann Stressfaktoren reduzieren, dazulernen, andere um Rat fragen und mir Hilfe holen. Den ersten Schritt dahin, dass es mir besser geht, machte ich heute.“ Aktivität statt Passivität löst Blockaden, vermeidet Schuldzuweisungen oder Mitleid und überträgt sich positiv auf Patient:innen.
Fazit: Ganzheitliche Strategien gegen die Kälte
Frische Luft und Sauerstoff beleben; Tageslichtlampen mit Blautönen eignen sich für Büro oder Home-Office. Ein sonniger Urlaub kann ebenfalls Linderung bringen. Bewegung und Treffen mit Freund:innen sorgen für Abwechslung und Kraft. Ausgewogene Ernährung stabilisiert; Vitamin-D-Supplementation nur bei nachgewiesenem Mangel, wie die Leitlinie rät. Psychotherapie und Kassenprogramme runden das Angebot ab.
Quellen:
- McMahon et al. (2016): Seasonal difference in brain serotonin transporter binding predicts symptom severity in patients with seasonal affective disorder. Brain. doi: 10.1093/brain/aww043
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression. 2022. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-005 (abgerufen am 24.11.2025).
- Springer Medizin: Depressionen bei Herzpatienten: Welche Antidepressiva sind geeignet? 2021. https://www.springermedizin.de/depressionen-bei-herzpatienten/19667760 (abgerufen am 24.11.2025).
Viele Betroffene spüren nach dem Absetzen von Antidepressiva wie SSRI oder SNRI weiterhin sexuelle Beeinträchtigungen. Post-SSRI sexuelle Dysfunktion (PSSD) kann Jahre andauern – was Patient:innen wissen müssen, um informierte Entscheidungen zu treffen.
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