Psychische Krise bei jungen Menschen: Versorgung am Limit
Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen rückt zunehmend in den Fokus – und mit ihr die Frage, ob das Versorgungssystem noch Schritt hält. Fachverbände schlagen Alarm: Während der Bedarf an Hilfe steigt, bleiben Therapieplätze vielerorts knapp. Die Folge sind lange Wartezeiten und wachsende Risiken für die Betroffenen.
Alarmierende Zahlen bei jungen Menschen:
Die Entwicklung ist deutlich: Zwischen 2018 und 2023 stieg die Zahl der Depressionen bei 5- bis 24-Jährigen um 30 Prozent. Zudem besteht bei etwa jedem fünften Heranwachsenden der Verdacht auf eine Essstörung. Auch schwere Krankheitsverläufe nehmen zu.
Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP) bezeichnen diese Entwicklung als „alarmierend“.
Lange Wartezeiten verschärfen die Lage
Trotz steigenden Bedarfs fehlen spezifische Behandlungskapazitäten. Kinder und Jugendliche warten im Durchschnitt 28 Wochen auf einen Therapieplatz. Besonders angespannt ist die Situation in ländlichen Regionen.
BPtK-Präsidentin Andrea Benecke mahnt: „Jeder Tag, den erkrankte Kinder und Jugendliche auf Hilfe warten müssen, ist einer zu viel. Psychische Erkrankungen verschlimmern und chronifizieren sich, Teilhabe und Bildungschancen geraten in Gefahr, Familien an ihre Grenzen.“
Warum das System an Grenzen stößt
Ein zentraler Kritikpunkt ist die derzeitige Bedarfsplanung. Aktuell wird die psychotherapeutische Versorgung junger Menschen lediglich über eine 20-Prozent-Quote innerhalb der allgemeinen Planung geregelt. Wo und wie viele betroffene Kinder und Jugendliche tatsächlich leben, bleibt dabei unberücksichtigt. Aus Sicht von BPtK und BKJPP führt dieses System dazu, dass Angebote nicht bedarfsgerecht verteilt sind – insbesondere in strukturschwachen Regionen und sozial benachteiligten Stadtteilen.
Neue Planung für bessere Versorgung
Die Verbände fordern daher eine eigenständige, zielgenaue Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche. Nur so könnten wohnortnahe, flexible und altersgerechte Angebote entstehen. „Kinder können keine weiten Wege zur Therapie bewältigen und deshalb nicht durch Angebote in weiter entfernten (Groß-)Städten mitversorgt werden“, heißt es im Positionspapier. Die Bundesregierung hat eine solche Regelung bereits im Koalitionsvertrag angekündigt – nun müsse sie umgesetzt werden.
Prävention und ambulante Versorgung stärken
Neben strukturellen Reformen setzen die Fachgesellschaften auf Prävention. Gefordert wird eine Strategie, die Risiken früh erkennt und junge Menschen in ihren Lebenswelten stärkt. Dazu zählen psychische Gesundheit in Lehrplänen, aufsuchende Beratung an Schulen sowie niedrigschwellige Unterstützungsangebote. Gleichzeitig soll die ambulante kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung als Teil der Grundversorgung ausgebaut werden. Besonders wichtig seien sozialpsychiatrische Angebote und multiprofessionelle Ansätze, um eine intensivere ambulante Behandlung zu ermöglichen.
Ausblick
Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen darauf ab, Versorgungslücken zu schließen und die Behandlung stärker am tatsächlichen Bedarf auszurichten. Klar ist: Ohne strukturelle Veränderungen dürfte sich die Situation weiter zuspitzen. Die Forderungen von BPtK und BKJPP machen deutlich, dass neben mehr Kapazitäten vor allem eine grundlegende Neuausrichtung der Versorgung notwendig ist.
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Quellen:
Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) (2026): Positionspapier zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. https://www.bptk.de/ (abgerufen am 23.04.2026)
Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP) (2026): Positionspapier zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen. https://www.bkjpp.de/ (abgerufen am 23.04.2026)
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