Übergewicht und Krebsrisiko: Neue Zahlen zur Adipositas

Digitale Illustration einer Krebszelle

Übergewicht erhöht das Krebsrisiko offenbar stärker als bisher angenommen. Eine Analyse (DOI: 10.34133/cancomm.0040) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigt, dass möglicherweise mehr als 10 % aller Krebserkrankungen darauf zurückzuführen sind. Frühere Schätzungen lagen nur bei 2 bis 8 %. Grundlage sind Daten aus der UK Biobank mit über 458.000 Teilnehmenden.

Was Übergewicht und Adipositas bedeuten

Übergewicht und Adipositas bezeichnen ein erhöhtes Körpergewicht mit gesundheitlichen Folgen. Übergewicht beschreibt ein moderat erhöhtes Gewicht, während Adipositas eine ausgeprägte Form mit höherem Krankheitsrisiko ist. Beide gelten als etablierte Risikofaktoren für verschiedene Krebsarten.

Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein häufig genutztes Maß zur Einordnung von Körpergewicht. Er wird aus Körpergewicht und Körpergröße berechnet, unterscheidet jedoch nicht zwischen Fett- und Muskelmasse. Zudem liefert der BMI keine Information darüber, wo sich Fett im Körper verteilt. Diese Einschränkung ist zentral für die Interpretation bisheriger Studien.

Wie die Studie das Krebsrisiko neu bewertet

Die Studie zeigt, dass methodische Verzerrungen das Krebsrisiko durch Übergewicht bisher unterschätzt haben könnten. Ein zentraler Faktor ist ungewollter Gewichtsverlust durch Tumoren, der oft Jahre vor der Diagnose beginnt. Dadurch erscheinen Betroffene bei Diagnose schlanker, was den Zusammenhang statistisch abschwächt.

Die Forschenden gingen schrittweise vor, um diesen Effekt zu minimieren:

  • Analyse von 458.543 Personen aus der UK Biobank
  • Beobachtungszeit von fast 12 Jahren
  • Ausschluss der ersten Jahre nach Studieneintritt, da hier bereits bestehende, aber noch nicht diagnostizierte Tumoren vermutet werden.
  • Vergleich verschiedener Maße für Übergewicht, nicht nur des BMI.

Im Beobachtungszeitraum traten über 50.000 neue Krebserkrankungen auf. Nach Ausschluss der ersten 7 Jahre der Nachbeobachtung wurden 11,5 % der Krebsfälle auf Übergewicht zurückgeführt. Ohne diesen Ausschluss und bei Nutzung des BMI lag der Anteil bei 5,5 %.

Welche Messmethoden das Krebsrisiko besser erfassen

Maße der zentralen Adipositas zeigen stärkere Zusammenhänge mit dem Krebsrisiko als der BMI. Besonders Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis erwiesen sich als aussagekräftiger. Diese Maße berücksichtigen, wo Fett im Körper gespeichert ist.

Vergleich der Adipositasmaße:

Kriterium BMI Taillenumfang Taille-Hüft-Verhältnis
Indikation Allgemeine Gewichtsklassifikation Fettverteilung im Bauchbereich Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang
Aussagekraft laut Studie Schwächerer Zusammenhang mit Krebsrisiko Stärkerer Zusammenhang Stärkerer Zusammenhang
Limitation Keine Unterscheidung von Fett und Muskelmasse Fokus auf Bauchfett Abhängig von zwei Messwerten

Die Ergebnisse zeigen, dass zentrale Fettverteilung eine wichtigere Rolle für das Krebsrisiko spielen könnte als das Gesamtgewicht.

Welche Gruppen besonders betroffen sind

Bestimmte Bevölkerungsgruppen zeigen laut Analyse stärkere Effekte zwischen Übergewicht und Krebs. Frauen waren stärker betroffen als Männer. Auch Teilnehmende unter 60 Jahren zeigten höhere Zusammenhänge als ältere Personen.

Diese Unterschiede könnten auf biologische oder verhaltensbezogene Faktoren hinweisen, sind jedoch noch unklar. Aber Fakt ist, dass die Verbreitung von Übergewicht in vielen Ländern zunimmt. Gleichzeitig altert die Bevölkerung, was die absolute Zahl der Krebsfälle weiter erhöhen dürfte.

Ausblick : Welche Bedeutung die Ergebnisse für die Krebsprävention haben

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Übergewicht eine größere Rolle in der Krebsprävention spielt als bisher angenommen. Laut Hermann Brenner, Epidemiologe am DKFZ, werde die Zahl der dadurch verursachten Krebserkrankungen voraussichtlich weiter steigen.

„Effektive Strategien zur Vorbeugung und Behandlung des Übergewichts könnten daher einen wesentlich größeren Beitrag zur Krebsprävention leisten als bislang angenommen“, erklärte er.

 

Die Studie zeigt zugleich methodische Grenzen bisheriger Forschung auf. Insbesondere die Verzerrung durch krankheitsbedingten Gewichtsverlust könnte viele frühere Ergebnisse beeinflusst haben. Insgesamt legen die Daten nahe, dass genauere Messmethoden und längere Beobachtungszeiträume entscheidend sind. Dies könnte zukünftige Studien und Präventionsansätze beeinflussen. Die Bedeutung von Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis dürfte dabei stärker in den Fokus rücken.

Häufige Fragen: FAQ

Was ist der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs?

Übergewicht erhöht das Risiko für Krebserkrankungen deutlich. Laut Studie könnten mehr als 10 % aller Krebsfälle darauf zurückzuführen sein. Frühere Schätzungen lagen deutlich niedriger. Der Zusammenhang wurde möglicherweise lange unterschätzt.

Warum ist der BMI allein nicht ausreichend?

Übergewicht erhöht das Risiko für Krebserkrankungen deutlich. Laut Studie könnten mehr als 10 % aller Krebsfälle darauf zurückzuführen sein. Frühere Schätzungen lagen deutlich niedriger. Der Zusammenhang wurde möglicherweise lange unterschätzt.

Welche Messwerte sind aussagekräftiger als der BMI?

Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis sind laut Studie aussagekräftiger. Sie erfassen die Fettverteilung im Körper genauer. Besonders Bauchfett steht stärker mit Krebsrisiken in Verbindung. Deshalb liefern diese Maße bessere Hinweise.

Quellen:
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