Psychische Erkrankungen in der EU: Daten der OECD

Symbolbild auf grauem Hintergrund: Zwei Hände halten einen aus Papier ausgeschnittenen Kopf. Auf dem Kopf liegen bunte Puzzelsteine.

„Fast jede fünfte Person in der EU litt im Jahr 2023 an einer psychischen Erkrankung, wobei ungefähr drei Viertel davon auf Depressionen, Angststörungen und Substanzgebrauchsstörungen entfallen“, schildert Michael Müller, Gesundheitsexperte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bei einem digitalen Panel am 15. Juni. „Die Prävalenzzahlen dürften dabei noch unterschätzt sein.“ Gründe sind unter anderem Stigmatisierung und nicht erkannte leichtere Verläufe.

Risikofaktoren und besonders betroffene Gruppen

Junge Menschen sind besonders häufig von psychischen Erkrankungen betroffen. Mehr als jede vierte Person unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen leidet an einer Störung, mit geschlechtsspezifischen Unterschieden. So treten bei jungen Frauen häufiger Depressionen und Angststörungen auf, während bei Männern Substanzmissbrauch überwiegt.

Wichtige Einflussfaktoren laut OECD:

  • Niedriges Einkommen: Erhöht das Risiko für Depressionen und Angststörungen
  • Niedriger Bildungsstand: Korrelation mit höherer Krankheitsrate
  • COVID-19-Pandemie: Mögliche langfristige Auswirkungen, besonders bei jungen Menschen
  • Klimawandel: 84 Prozent der jungen Menschen sind moderat oder stark besorgt
  • Krieg und Konflikte: Erhöhen das Lebenszeitrisiko für psychische Störungen

Folgen für Lebenserwartung und Mortalität

Psychische Erkrankungen verkürzen die Lebenserwartung messbar und führen zu vorzeitigen Todesfällen. Im Durchschnitt reduziert sich die Lebenserwartung bei den drei Hauptstörungen um 2,5 Jahre. Besonders stark betroffen ist Nordeuropa mit fast 3,5 Jahren, während Griechenland mit etwa 1,2 Jahren am unteren Ende liegt; Deutschland liegt bei etwa 3,2 Jahren.

Zusätzlich verursachen Depressionen, Angststörungen und Alkoholabhängigkeit etwa 28.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in der EU. Diese sind größtenteils auf Suizid und Alkoholmissbrauch zurückzuführen.

Ökonomische Auswirkungen und Versorgungslücke

Psychische Erkrankungen verursachen erhebliche Kosten für Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften. Zwischen 2025 und 2050 entfallen etwa sechs Prozent der Gesundheitsausgaben der EU-Länder auf diese drei Störungen, was rund 76 Milliarden Euro entspricht. Die Spannweite reicht von einem Prozent in Bulgarien bis zu zwölf Prozent in Luxemburg, wobei Deutschland über dem Durchschnitt liegt.

Zentrale ökonomische Effekte:

  • Steigende Behandlungskosten durch komplexere Krankheitsverläufe
  • Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen
  • Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um durchschnittlich 1,7 Prozent jährlich
  • Geringere Erwerbsbeteiligung und Produktivität
  • Gleichzeitig besteht eine deutliche Versorgungslücke: Rund 60 Prozent der Menschen mit Behandlungsbedarf erhalten keine psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe. Ursachen sind finanzielle, geografische und organisatorische Barrieren.

Ausblick

Psychische Erkrankungen werden die Gesundheitssysteme und Gesellschaften der EU weiterhin stark belasten. Die OECD-Daten zeigen, dass sowohl Prävalenz als auch ökonomische Auswirkungen langfristig relevant bleiben. Besonders unklar ist, ob sich die psychische Gesundheit vollständig von den Effekten der COVID-19-Pandemie erholt hat. Hinweise auf Langzeitfolgen, insbesondere bei jungen Menschen, deuten auf anhaltenden Handlungsbedarf hin.

Zudem verstärken globale Entwicklungen wie Klimawandel und Kriege die Belastung. Die Kombination aus hoher Prävalenz, Versorgungslücken und wirtschaftlichen Folgen macht deutlich, dass strukturelle Verbesserungen notwendig sind. Ohne besseren Zugang zur Versorgung könnten sich die bestehenden Trends weiter verschärfen.

Was sind die häufigsten psychischen Erkrankungen in der EU?

Die häufigsten psychischen Erkrankungen sind Depressionen, Angststörungen und Alkoholabhängigkeit. Sie machen etwa drei Viertel aller Fälle aus. Diese Störungen bestimmen maßgeblich die Krankheitslast. Sie sind auch zentral für Mortalität und Kosten.

Wie stark beeinflussen psychische Erkrankungen die Lebenserwartung?

Psychische Erkrankungen verkürzen die Lebenserwartung im Durchschnitt um 2,5 Jahre. In einigen Regionen, etwa Nordeuropa, liegt der Wert höher. Deutschland gehört ebenfalls zu den stärker betroffenen Ländern. Die Unterschiede zwischen Ländern sind deutlich.

Warum erhalten viele Betroffene keine Behandlung?

Viele Betroffene erhalten keine Behandlung aufgrund struktureller Barrieren. Dazu zählen finanzielle Hürden sowie geografische und organisatorische Einschränkungen. Insgesamt haben rund 60 Prozent keinen Zugang zur nötigen Versorgung. Dies verstärkt die Krankheitslast zusätzlich.

Welche Rolle spielen gesellschaftliche Faktoren?

Gesellschaftliche Faktoren beeinflussen das Risiko für psychische Erkrankungen erheblich. Niedriges Einkommen und Bildungsstand erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Depressionen und Angststörungen. Auch globale Krisen wie Pandemie, Klimawandel und Konflikte wirken belastend. Besonders junge Menschen sind betroffen.

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Quellen:
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