Kunststoffe in der Dermatologie: Zwischen Nutzen, Risiko und nachhaltigen Alternativen

Hand mit Spuren von Plastik und Mikroplastik in einer Petrischale, im Labor analysiert, Studie zu Umweltproblemen

Kunststoffe sind in der dermatologischen Praxis allgegenwärtig – sie kommen in Wundauflagen, Salbengefäßen, Applikatoren und als Hilfsstoffe in Formulierungen zum Einsatz. Eine aktuelle Übersichtsarbeit, veröffentlicht im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology (DOI: 10.1111/jdv.20537), verdeutlicht, dass insbesondere Mikroplastikpartikel, die in zahlreichen dermatologischen Produkten enthalten sind, nicht nur funktionelle Vorteile bieten, sondern auch Risiken für Umwelt und Hautgesundheit bergen. Besonders kritisch ist der direkte Kontakt dieser Partikel mit der Haut, da sie bei Patient:innen mit gestörter Hautbarriere, wie es etwa bei chronisch-entzündlichen Dermatosen der Fall ist, Entzündungsreaktionen auslösen und die Aufnahme in tiefere Hautschichten begünstigen können.

Atopische Dermatitis und Mikroplastik

Ein anschauliches Beispiel aus der Praxis betrifft eine 42-jährige Patientin mit atopischer Dermatitis. Sie wurde über Monate mit einem rückfettenden Pflegeprodukt behandelt, das Polyethylenpartikel als Texturgeber enthielt. Im Verlauf kam es zu verstärktem Juckreiz und nässenden Ekzemen. Erst der Wechsel auf ein mikroplastikfreies Produkt brachte eine deutliche Besserung der Beschwerden. Dieses Fallbeispiel unterstreicht, dass die Materialwahl bei dermatologischen Produkten individuell abgewogen werden muss und Kunststoffe nicht immer die beste Option darstellen.

Nachhaltigkeit als klinische Verantwortung

Aber nicht nur die gesundheitliche, sondern auch die ökologische Dimension des Kunststoffeinsatzes rückt zunehmend in den Fokus. Die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) betont, dass nachhaltige Materialien und ressourcenschonende Konzepte dringend in die dermatologische Versorgung integriert werden sollten. Außerdem stehen die Reduktion schwer recycelbarer Kunststoffe sowie die aktive Aufklärung der Patient:innen über die Umweltauswirkungen dermatologischer Produkte im Fokus des Wandels.

Biobasierte Materialien wie Polylactide (PLA), mikronisierte Cellulose und Wachse bieten vielversprechende Alternativen zu petrochemischen Kunststoffen. Erste Studien belegen, dass diese Ersatzstoffe ähnliche funktionelle Eigenschaften aufweisen, jedoch eine deutlich bessere Umweltbilanz besitzen.

Klimawandel und Umweltbelastung: Neue Herausforderungen für die Haut

Die Auswirkungen des Klimawandels und wachsender Umweltbelastungen spiegeln sich auch in der Häufigkeit und Schwere von Hauterkrankungen wider. Dr. Eva R. Parker (Beitrag, AAD Annual Meeting 2025) hebt hervor, dass UV-induzierte Tumoren, atopische Ekzeme und durch Schadstoffe ausgelöste Dermatosen zunehmen, potenziell getrieben durch Klimawandel, Umweltgifte und Urbanisierung. Fachgesellschaften und aktuelle Studien betonen, dass nachhaltiges Handeln und Gesundheitsschutz in der dermatologischen Versorgung untrennbar miteinander verbunden sind.

Die Integration umweltschonender Materialien, die Reduktion von Einwegkunststoffen und gezielte Ressourcenoptimierung werden als zentrale Maßnahmen gesehen, um Patient:innen auch in Zukunft wirksam zu schützen. Damit wird die Dermatologie zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Umwelt- und Gesundheitsschutz und übernimmt eine Vorreiterrolle bei der nachhaltigen Transformation des Gesundheitswesens. Auch Brooke McCormick (Beitrag, AJMC, 2025) betont, dass Klimawandel, Umweltbelastungen und Hauterkrankungen immer stärker zusammenhängen. Dermatolog:innen sollten daher ihre Rolle als Schnittstelle zwischen Umweltmedizin und Patientenversorgung aktiv wahrnehmen.

Fazit: Interdisziplinärer Wandel ist gefragt

Die Herausforderungen im Umgang mit Kunststoffen in der Dermatologie verlangen einen interdisziplinären Ansatz – von der Materialwahl über die ärztliche Ausbildung bis hin zur Praxisorganisation. Forschung, Klinik und Industrie sind gemeinsam gefordert, nachhaltige und verantwortungsvolle Lösungen zu entwickeln, um die Hautgesundheit auch unter veränderten Umweltbedingungen zu sichern.

Quellen:

Tan, E., et al. "Plastics in dermatology: A review and solutions." Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2025, https://doi.org/10.1111/jdv.20537.

Niebel, D., et al. "Ressourcenoptimierung in der Dermatologie – 'to be continued'." Die Dermatologie, 2024, https://doi.org/10.1007/s00105-024-05398-5.

McCormick, B. "Climate Change, Pollution’s Growing Impact on Dermatology." American Journal of Managed Care, 2025, https://www.ajmc.com/view/climate-change-pollution-s-growing-impact-on-dermatology.

Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN): Positionspapier – Selbstverständnis und Ziele der AG Nachhaltigkeit in der Dermatologie. https://derma.de/fileadmin/PDF-Dateien/Positionspapier_Selbstverstaendnis_2025.docx.pdf (abgerufen am 14.07.2025).

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