Hautmedizin digital: Wie Teledermatologie Versorgung und Praxisalltag verändert

Eine lächelnde afroamerikanische Ärztin trägt einen weißen Arztkittel und nutzt einen Laptop an ihrem Arbeitsplatz, um eine Online-Fernberatung durchzuführen. Sie arbeitet am PC und berät einen Patienten über einen Internet-Telemedizin-Chat.

Die Dermatologie steht vor wachsenden Herausforderungen: Immer mehr Patient:innen, ein zunehmender Mangel an Fachärzt:innen und die steigende Zahl chronischer Hauterkrankungen fordern neue Wege in der Versorgung. Teledermatologie bietet hier eine zukunftsweisende Lösung. Am Universitätsklinikum Augsburg untersucht Dr. Sandra Schuh, wie digitale Methoden praxisnah, evidenzbasiert und patientenzentriert in den Versorgungsalltag integriert werden können. Digitale Anwendungen sind dabei längst mehr als ein technisches Extra – sie entlasten Praxen, schaffen neue Freiräume und verbessern die Erreichbarkeit dermatologischer Expertise.

Diagnostik auf Knopfdruck: Das Store-and-Forward-Modell

Ein zentrales Verfahren der Teledermatologie ist das „Store-and-Forward“-Modell: Patient:innen senden Bilder und Informationen zur Krankengeschichte digital an die Praxis, wo Ärzt:innen diese zeitlich flexibel auswerten. Dieses Verfahren bietet kurze Reaktionszeiten, hohe Flexibilität und erspart Wartezeiten im Praxisalltag. Die wissenschaftliche Validität ist hoch – in 97 % der Fälle stimmen Erst- und Zweitdiagnose überein. Besonders bewährt hat sich das Modell bei Akne, Psoriasis und atopischer Dermatitis, aber auch für Verlaufskontrollen bei systemischen Therapien, Wundkontrollen nach Operationen oder die schnelle Einschätzung von Nebenwirkungen.

Ein anschauliches Beispiel aus der Praxis:

Eine 42-jährige Patientin mit mittelschwerer Psoriasis nutzte über mehrere Monate eine speziell entwickelte Therapieüberwachungs-App zusammen mit regelmäßigen digitalen Verlaufskontrollen. Sie dokumentierte ihre Hautveränderungen durch Fotos und kurze Angaben zu Symptomen, die sie über die App an ihre behandelnde Hautärztin übermittelte. Die Ärztin konnte so den Verlauf der Erkrankung zeitnah beurteilen und die Therapie bei Bedarf anpassen, ohne dass die Patientin für jede Kontrolle persönlich in die Praxis kommen musste. Die App unterstützte zudem durch Erinnerungen an die Medikamenteneinnahme und vermittelte Informationen zum Umgang mit der Erkrankung. Im Verlauf berichtete die Patientin von einer spürbaren Entlastung im Alltag und einer verbesserten Lebensqualität. Die behandelnde Ärztin stellte fest, dass die digitalen Verlaufskontrollen ebenso zuverlässig waren wie klassische Präsenztermine und keine Einbußen bei der Behandlungssicherheit auftraten.

Hybridmodelle: Die Verbindung von digitaler und klassischer Medizin

Teledermatologie endet nicht bei der Fernbeurteilung. Hybride Modelle, die digitale Begleitung mit klassischer Sprechstunde verbinden, verbessern die Versorgung weiter. Künstliche Intelligenz, automatisiertes Ganzkörpermapping und Chatbots eröffnen neue Möglichkeiten, ersetzen aber nicht die ärztliche Verantwortung. Besonders in der Dermatohistopathologie bleibt die klassische Gewebeuntersuchung der Goldstandard. Die Forschung zeigt: Digitale Verfahren sind am erfolgreichsten, wenn sie medizinisch verantwortet und organisatorisch gut eingebettet sind. Die Teledermatologie ist kein Ersatz, sondern eine sinnvolle Ergänzung der klassischen Medizin – und funktioniert dort am besten, wo sie klar eingegrenzt und verantwortungsvoll eingesetzt wird.

Leitlinien und Qualität

Für den verantwortungsvollen Einsatz digitaler Tools braucht es klare Regeln. Die S2k-Leitlinie „Teledermatologie“ (Registernummer: 013-097) ist europaweit einzigartig und definiert konkrete Indikationen – etwa bei Psoriasis, Ekzemen oder zur Nachsorge bei Hautkrebs. Im Praxisalltag zeigt sich die Effizienz: Nur in 15 % der digitalen Fälle ist eine zusätzliche Untersuchung vor Ort nötig. Rückfragen sind mit nur 1 % selten, und über 90 % der Patient:innen bewerten die schriftliche Aufklärung als verständlich. Damit wird deutlich: Teledermatologie ist nicht nur praktisch, sondern auch sicher und verständlich. Die Leitlinie gibt Ärzt:innen und Patient:innen Orientierung und sorgt für eine hohe Qualität in der digitalen Versorgung.

Fazit: Die Zukunft einer modernen Hautmedizin

Die Teledermatologie eröffnet der Hautmedizin neue Perspektiven und kann die Versorgung nachhaltiger, gerechter und patientennäher gestalten. Damit dieses Potenzial voll ausgeschöpft werden kann, ist es entscheidend, dass Ärzt:innen die digitale Transformation aktiv mitgestalten und ihre medizinische Expertise einbringen. Nur durch die Kombination aus technischem Fortschritt, medizinischer Verantwortung und klar definierten Qualitätsstandards lässt sich eine hochwertige und sichere Versorgung gewährleisten.

Quellen:

S2k-Leitlinie Teledermatologie – Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Version 2020. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-097 (abgerufen am 14.07.2025)

Tischler, M., et al. "Digitale Dermatologie – was ist möglich?" hautnah dermatologie, 2023, https://doi.org/10.1007/s15012-023-7672-1.

Zink, A., et al. "Digitale Dermatologie." Die Dermatologie, 2022, https://doi.org/10.1007/s00105-022-05064-8.

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