Wenn Kinder sich verbrennen: Neue Leitlinie als Orientierungshilfe
Thermische Verletzungen zählen zu den dramatischsten Notfällen in der Kinder- und Jugendmedizin. Um Ärztinnen und Ärzten klare, evidenzbasierte Handlungsempfehlungen zu geben, wurde die S2k-Leitlinie „Behandlung thermischer Verletzungen im Kindesalter (Verbrennung, Verbrühung)“ entwickelt. Sie dient als praktische Grundlage, um schwere Komplikationen zu verhindern und betroffenen Kindern die beste Genesung zu ermöglichen. Die Leitlinie hebt hervor, dass eine strukturierte Vorgehensweise von der ersten Einschätzung bis zur spezialisierten Nachbetreuung entscheidend ist.
Verbrühungen als häufigste Ursache
Verbrühungen sind mit rund 70 % die häufigste Form thermischer Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen. Sie entstehen meist im häuslichen Umfeld, oft durch heiße Flüssigkeiten. Wesentlich seltener sind Kontaktverbrennungen (14 %) oder Feuerverbrennungen (5 %). Diese Zahlen unterstreichen, dass Prävention und Elternaufklärung zentrale Bestandteile einer umfassenden Versorgungsstrategie bleiben müssen.
Präzise Diagnostik als Grundlage jeder Behandlung
Die korrekte Diagnose stellt für die Ärztinnen und Ärzte einen entscheidenden ersten Schritt dar. Die Schwere der Verletzung wird anhand zweier zentraler Kriterien eingeschätzt: der verbrannten Körperoberfläche und der Tiefe der Schädigung. Dabei kommen bewährte Methoden wie die Handflächenregel oder das Lund-Browder-Schema zum Einsatz.
Da die Schmerzangabe besonders bei Kindern häufig kein zuverlässiger Parameter ist, muss die Beurteilung mit großer Sorgfalt erfolgen. Eine falsche Einschätzung kann gravierende Folgen für die therapeutischen Entscheidungen haben. Die Leitlinie betont daher die besondere Bedeutung einer exakten Diagnostik gerade im Kindesalter, um eine adäquate Behandlung sicherzustellen.
Erstversorgung: Stabilisieren und Wärme bewahren
Die Erstversorgung prägt den weiteren Verlauf maßgeblich. Unmittelbar nach einer thermischen Verletzung stehen zwei Ziele im Vordergrund: Volumentherapie und Schmerz- beziehungsweise Sedierungsmanagement.
Bei kleineren Verbrennungen wird eine Kühlung mit handwarmem Wasser empfohlen, um eine weitere Gewebeschädigung zu verhindern. Großflächige Verletzungen hingegen sollten trocken und steril abgedeckt werden. Eine zu ausgedehnte Kühlung birgt die Gefahr einer Unterkühlung, die den Allgemeinzustand zusätzlich verschlechtern kann.
Besonderes Augenmerk gilt daher dem Temperaturmanagement: Der Erhalt der Körpertemperatur ist essenziell, und die Temperatur der Patient:innen muss kontinuierlich überwacht werden. Wärmedecken und ein aufgeheiztes Transportmittel sind einfache, aber lebenswichtige Maßnahmen, um Normothermie zu gewährleisten.
Schmerztherapie: Schnelle Linderung als Priorität
Schmerz gehört zu den eindrücklichsten Symptomen thermischer Verletzungen. Eine suffiziente Schmerzbehandlung ist daher mehr als eine Komfortmaßnahme – sie ist integraler Bestandteil der Therapie. Um akute Schmerzen effektiv zu lindern, können Esketamin oder Opiate eingesetzt werden, insbesondere in der Notfallversorgung.
Die Leitlinie erinnert daran, dass die Schmerzfreiheit nicht nur körperliches Wohlbefinden verbessert, sondern auch einen wesentlichen Einfluss auf die psychische Stabilität hat – vor allem bei Kindern, die auf traumatische Erlebnisse besonders sensibel reagieren.
Systemische Verbrennungserkrankung: Risiko bei großflächigen Verletzungen
Bei großflächigen thermischen Verletzungen kann sich eine sogenannte systemische Verbrennungserkrankung entwickeln. Dieses komplexe Krankheitsbild erfordert eine intensive medizinische Behandlung, häufig auf einer spezialisierten Intensivstation. Dabei spielt die Volumensubstitution mit isotonen, kristalloiden Lösungen eine zentrale Rolle. Sie stabilisiert den Kreislauf und beugt schwerwiegenden Folgen wie Kreislaufschock oder Organversagen vor.
Spezialisierte Versorgung in Fachzentren
Im weiteren Verlauf steht die interdisziplinäre Behandlung im Mittelpunkt. Nur durch die Zusammenarbeit von Fachärzt:innen aus Kinderheilkunde, Chirurgie, Anästhesiologie und Psychologie lässt sich das Risiko psychischer und ästhetisch-funktioneller Schäden deutlich reduzieren.
Die S2k-Leitlinie betont ausdrücklich die Bedeutung der Verlegung in spezialisierte Zentren für Kinder mit schweren thermischen Verletzungen. Diese Einrichtungen verfügen über die nötige Expertise und Infrastruktur, um akute Komplikationen zu bewältigen und dauerhafte Folgeschäden zu vermeiden. Hier wird nicht nur das körperliche Wohl berücksichtigt, sondern auch langfristig an das seelische und soziale Wohlbefinden der Patient:innen gedacht.
Ziel: Beste Heilungschancen durch strukturierte Versorgung
Langfristiger Erfolg hängt von einer konsequenten, abgestuften Behandlung ab – von der richtigen Ersteinschätzung über eine angemessene Schmerztherapie bis hin zur spezialisierten Weiterbetreuung. Die neue Leitlinie liefert damit ein entscheidendes Instrument, um die Versorgung thermisch verletzter Kinder und Jugendlicher nachhaltig zu verbessern und das Risiko bleibender Schäden zu minimieren. Mit ihrem klaren Fokus auf interdisziplinäre Zusammenarbeit und kindgerechte Medizin setzt sie neue Standards in der Notfallmedizin und Kinderheilkunde.
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Quellen:
- Springer Medizin: Leitlinienkonformes Management thermischer Verletzungen. 2025. https://www.springermedizin.de/verbrennung/wundheilungsstoerung/leitlinienkonformes-management-thermischer-verletzungen/50491520 (abgerufen am 29.12.2025).
- Springer Medizin: Thermische Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen. 2025. https://www.springermedizin.de/thermische-verletzungen-bei-kindern-und-jugendlichen/50667236 (abgerufen am 29.12.2025).
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Behandlung thermischer Verletzungen im Kindesalter (Verbrennung, Verbrühung) (S2k-Leitlinie 006-128). 2024. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/006-128 (abgerufen am 29.12.2025).
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