Psychische Krisen im Fokus: Von harten Zahlen zu lebensrettenden Wegen

Das Bild zeigt eine Person, die mit nachdenklichem oder bedrücktem Gesichtsausdruck auf einem Stuhl sitzt. Sie hat die Arme um die Knie geschlungen und wirkt in sich gekehrt. Die Szene vermittelt einen Moment der Traurigkeit, Nachdenklichkeit oder inneren
© Adobe Stock

Angststörungen und Depressionen zählen zu den am häufigsten auftretenden psychischen Störungen. Sie sind hervorragend therapierbar – durch Psychotherapie oder Medikamente. Dennoch trifft medikamentöse Unterstützung auf starke Vorbehalte, insbesondere Antidepressiva, die von Betroffenen, Angehörigen und teilweise sogar Therapeut:innen abgelehnt werden.Um zu verhindern, dass Menschen mit Depressionen hilfreiche Behandlungen aus Angst verschmähen, fehlt es an intensiver Aufklärung.

Faktencheck

  • Jedes Jahr leiden in Deutschland 27,8 Prozent der Erwachsenen unter psychischen Erkrankungen – rund 17,8 Millionen Betroffene. Nur 18,9 Prozent von ihnen nehmen Kontakt zu Fachkräften auf.
  • Global gesehen gehört Suizid zu den führenden Todesursachen bei 15- bis 29-Jährigen.
  • Zwischen 50 und 90 Prozent der Suizide lassen sich auf psychische Störungen zurückführen.
  • 2023 starben in Deutschland 10.304 Menschen durch Suizid – 1,8 Prozent mehr als 2022, aber 3,1 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Absolute Zahlen bei Jüngeren sind niedriger, doch die suizidale Sterblichkeitsrate bleibt dort besonders alarmierend hoch. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
  • Bei Suiziden dominieren vor allem ältere Menschen. Dennoch bleiben die Fälle unter Jungen Menschen besorgniserregend hoch.

Die Rolle von Corona

Die Corona-Pandemie hat Depressionen bei der Jugend massiv zunehmen lassen. Isolation führte bei vielen zu Symptomen, unabhängig von einer Diagnose. Dadurch rückte psychisches Leiden stärker ins Bewusstsein, verließ die Tabuzone und förderte Verständnis. Allerdings mangelt es an geordneten Hilfsangeboten: Wer benötigt priorisierte Betreuung?

Kinder und Jugendliche in Gefahr

Transitionspsychiatrie, ein junger Zweig der Psychiatrie, widmet sich der psychischen Gesundheit von 14- bis 25-Jährigen. Sie schafft eine Brücke zwischen Kinder-/Jugendpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie, um den Einstieg ins Erwachsenenleben zu erleichtern.

YEP-Jugendbericht-Erkenntnisse:

  • 24 Prozent der Jugendlichen fühlen sich über mentale Gesundheit schlecht aufgeklärt.
  • 28 Prozent wissen nicht, wen sie in Krisen ansprechen sollen.
  • Barrieren zur Hilfe: lange Wartezeiten, elterliches Unverständnis, Tabus, Mutmangel, Unsicherheit.
  • 82 Prozent möchten mehr über mentale Gesundheit lernen – bevorzugt in Schule, Social Media oder Filmen/Serien.

Hilfsangebote retten Leben – ein Überblick:

Erste Hilfe in psychischen Krisen

Bei akuten Krisen oder Suizidgedanken sind Gespräche mit anderen Menschen essenziell. Das können Freund:innen oder Verwandte sein. Primäre Anlaufstellen umfassen hausärztliche oder psychiatrische Praxen sowie Psychotherapeut:innen und -therapeuten.

Rund-um-die-Uhr-Hotlines

Die Telefonseelsorge bietet anonyme, kostenlose Beratung jederzeit unter 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Das deutschlandweite Info-Telefon Depression ist kostenfrei erreichbar unter 0800/33 44 5 33.

Lokale und beratende Dienste

Sozialpsychiatrische Dienste der Gesundheitsämter gewähren umfassende Hilfe und Beratung.

Übergeordnete Organisationen:

  • Deutsche Depressionshilfe: Infos und Hilfe bei Depression - Stiftung Deutsche Depressionshilfe
  • Aktionsbündnis Seelische Gesundheit: Aktionsbündnis Seelische Gesundheit
  • Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V.: https://www.dgppn.de/
  • Deutsche Depressionsliga: https://depressionsliga.de/

Online-Communities und Foren

Ein fachlich moderiertes Online-Forum für Erfahrungsaustausch finden Sie unter www.diskussionsforum-depression.de

Moderne Therapieformen

Digital unterstützte Psychotherapien helfen gegen Ängste und Depressionen: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/ratgeber-archiv/artikel/gegen-aengste-und-depressionen-koennen-auch-digital-unterstuetzte-psychotherapien-helfen/

Jugend- und Bildungsangebote

Kostenlose Aufklärung für Jugendliche und pädagogische Fachkräfte über „Alles gut“-Programme: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/news/details/neue-kostenfreie-alles-gut-aufklaerungsangebote-fuer-lehrkraefte-und-jugendliche

Spezialisierte Krisenberatung

  • U25 Helpmail: Anonyme, kostenlose Online-Beratung durch geschulte Ehrenamtliche für unter 25-Jährige mit Suizidgedanken – https://www.u25-deutschland.de/
  • MANO – Suizidprävention Ü26: Für suizidgefährdete Erwachsene über 26 Jahre – https://mano-beratung.de/
  • Freunde fürs Leben e.V.: Präventive Unterstützung – https://www.frnd.de/ueber-uns/wer-sind-wir/
Quellen:
  • ZDF: Psychisch stark – Wege aus der Depression. 2025. https://presseportal.zdf.de/pressemappe/psychisch-stark-wege-aus-der-depression#text (abgerufen am 18.12.2025).
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression. 2022. Registernummer: nvl-005. Version 3.2. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-005 (abgerufen am 16.12.2025).
  • DGPPN: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie,Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V.;  https://www.dgppn.de/
  • WHO: World Health Organization: https://www.who.int/
  • Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Home/_inhalt.html
  • Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/unterstuetzen-sie-uns/spenden-zu-persoenlichen-anlaessen?gad_campaignid=18262007191

     

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