Proben mit Nebenwirkungen: Wie dermatologische Produktproben Klima und Ressourcen belasten

Ein Regal mit verschienenen Hautkosmetikprodukten

Produktproben sind in dermatologischen Praxen alltäglich, doch ihre Umweltfolgen werden meist unterschätzt. Neue Studien zeigen, dass diese kleinen Verpackungen erhebliche Mengen an Treibhausgasen verursachen und wertvolle Ressourcen verbrauchen. Angesichts wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen geraten sie zunehmend in die Kritik – und die Branche sucht nach Alternativen.

Verborgene Klimakosten: Wie Probenverpackungen die Umwelt belasten

Eine aktuelle Analyse von 43 verschiedenen Probenverpackungen hat ergeben, dass bereits die kleinste Verpackungseinheit 15 Gramm CO₂-Äquivalente und fast einen Liter Wasser verbraucht. Bei größeren Proben steigen diese Werte deutlich an. Hochgerechnet auf zehn Millionen Proben pro Jahr entstehen so etwa 8.000 Tonnen CO₂ und fast eine Milliarde Liter Wasserverbrauch – allein durch die Verpackung. Besonders problematisch ist, dass nur rund 18 % der Verpackungen recycelt werden können, während der Großteil im Restmüll oder in der Verbrennung landet.

Ein Fall aus einer dermatologischen Praxis illustriert die Problematik: Nach einer Aktionswoche zur Hautgesundheit wurden mehrere Kisten mit Proben verteilt. Am Ende blieben zahlreiche angebrochene und ungenutzte Verpackungen übrig, die entsorgt werden mussten – ein beträchtlicher Müllberg, der weder Patient:innen noch Umwelt zugutekam.

Zwischen Marketing und Müll: Der zweifelhafte Wert von Produktproben

Obwohl Produktproben weit verbreitet sind, ist ihr tatsächlicher Nutzen für Therapieerfolg oder Umsatz kaum nachweisbar. Studien zeigen, dass Kennzahlen wie Conversion Rate oder Umsatzbeitrag für Proben nicht valide messbar sind. Gleichzeitig verursachen sie nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Kosten: Produktion, Versand und Entsorgung binden Ressourcen, während neue EU-Regelungen Unternehmen zu mehr Transparenz bei Umweltkennzahlen verpflichten. Ein hoher CO₂-Ausstoß kann so nicht nur das Image, sondern auch die Finanzierung beeinflussen. Die Zukunft liegt also im nachhaltigen Marketing:

„Produktproben verursachen einen signifikanten Rohstoffverbrauch. Pharmakosmetische Hersteller sind gefordert, sich stattdessen auf innovative, nachhaltige und messbar effiziente Marketingstrategien zu konzentrieren. Dadurch sparen sie Kosten, reduzieren ihren CO₂e-Fußabdruck und sorgen für ein positives Image. Zudem berücksichtigen Unternehmen damit die Vorgaben der EU-Nachhaltigkeitsgesetze wie der Taxonomieverordnung oder der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)“, so die Ingenieurin Carolina Schweig.

Neues Denken gefragt: Nachhaltigkeit als Innovationsmotor in der Dermatologie

Anstatt auf moralische Appelle zu setzen, rücken Fachgesellschaften und Initiativen wie die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) das Thema Ressourcenoptimierung in den Mittelpunkt. Dieser Ansatz verbindet ökologische mit ökonomischen Vorteilen und findet zunehmend Anklang in der dermatologischen Community. Fortbildungen und Fachveranstaltungen fördern das Bewusstsein für nachhaltige Alternativen, etwa durch die Ausbildung von „Klimamanager:innen“ in Praxen.

Dabei fordert die AGN einen vollständigen Verzicht auf Produktproben:

„Musterproduktproben verursachen eine hohe Umweltbelastung, kleine Verpackungen im Besonderen. Vor allem ganz kleine Verbundstoffe sind praktisch nicht zu recyclen. Wir bitten Arztpraxen und Apotheken daher, auf die Verteilung und Annahme solcher Produktproben zu verzichten und fordern die kosmetische und pharmazeutische Industrie zum Umdenken auf. Es braucht jetzt alle Mitarbeiter:innen des Gesundheitssystems, um dringend notwendige ressourcenoptimierende Maßnahmen umzusetzen“, so Dr. med. Dennis Niebel, Dermatologe und 2. Vorsitzender der AGN.

Fazit: Nachhaltige Entscheidungen für eine gesündere Zukunft

Die Umweltfolgen dermatologischer Produktproben sind erheblich und stehen in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen. Ein systematischer Wandel hin zu nachhaltigen und digitalen Alternativen ist nicht nur möglich, sondern auch dringend geboten, um Ressourcen zu schonen und die Zukunft der Dermatologie verantwortungsvoll zu gestalten.

Quellen:

Niebel, D., et al. "Treibhausgasäquivalente und Nutzwasserverbrauch durch dermatologische Produktprobenverpackungen." Die Dermatologie, 2024. https://doi.org/10.1007/s00105-024-05392-x

Niebel, D., et al. "Ressourcenoptimierung in der Dermatologie – 'to be continued'." Die Dermatologie, 2024. https://doi.org/10.1007/s00105-024-05398-5

Niebel, D., et al. "Environmental Impact of Dermatology and Action Towards It: A Narrative Review." International Journal of Dermatology, 2025. https://doi.org/10.1111/ijd.17810

Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN). "Produktproben und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen." Pressemitteilung, 16. September 2024. https://zerowaste-kiel.de/wp-content/uploads/2024/09/PM_Produktproben_16092024_Fachmedien.docx.pdf?utm_source=chatgpt.com (abgerufen am 12.07.2025)

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