Eigenbluttherapie als Gamechanger bei offenen Fußwunden

Zentrifuge
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Offene Fußverletzungen sind eine echte Herausforderung, nicht nur wegen der komplexen Anatomie mit zahlreichen Knochen, Sehnen und Gefäßen. Hinzu kommen das hohe Infektionsrisiko, verzögerte Heilungsverläufe und mögliche chronische Schmerzen. Die klassische Therapie mit Debridement, Antibiotika und eventuell Hauttransplantationen greift oft zu kurz. Es bleibt ein gefährlicher Balanceakt zwischen Komplikationsvermeidung und funktionellem Erhalt. Doch die regenerative Medizin hat einen neuen Joker im Spiel: Platelet-Rich Plasma (PRP).

Blutplättchen statt Hauttransplantat?

Blutplättchen statt Hauttransplantat? PRP klingt zunächst nach Hightech, ist aber simpel und autolog: Aus dem Eigenblut der Patient:innen wird ein hochkonzentriertes Gemisch aus Blutplättchen und Wachstumsfaktoren wie PDGF, TGF-β und VEGF gewonnen. Diese körpereigenen Botenstoffe wirken wie biologische Baustellenleiter. Sie fördern Zellmigration, angiogene Prozesse und Entzündungshemmung. Der PRP-Trend kommt aus Orthopädie und Zahnmedizin – aber was kann er bei offenen Fußwunden leisten?

Fallbericht 1: Motorradcrash mit Happy End

Ein 35-jähriger Mann erlitt bei einem Motorradunfall eine offene Verletzung des rechten Fußes mit starker Weichteilschädigung und freiliegenden Mittelfußknochen. Nach initialer Wundreinigung und chirurgischem Debridement wurde am dritten Tag PRP aus 60 ml Eigenblut gewonnen, aktiviert und direkt auf die Wunde aufgetragen. Die Wunde heilte in den folgenden Wochen gut ab, ohne Infektionen oder Komplikationen. Bereits nach vier Wochen war ein deutlicher Rückgang der Wundtiefe mit gesundem Granulationsgewebe erkennbar. Nach acht Wochen war die Heilung weit fortgeschritten, und der Patient konnte mit der Rehabilitation beginnen.

Fallbericht 2: Wanderung mit Folgen – aber schneller zurück im Leben

Eine 28-jährige Frau zog sich bei einem Wanderunfall eine offene Verletzung am linken Fuß zu, insbesondere an der medialen Seite. Nach erster Wundbehandlung mit Debridement und teilweiser Wundnaht wurde am dritten Tag PRP aus 50 ml Blut hergestellt und auf die offenen Wundbereiche aufgetragen. Bereits nach drei Wochen war eine deutliche Wundverkleinerung und eine Abdeckung der freiliegenden Sehnen mit Granulationsgewebe sichtbar. Nach sechs Wochen war die Wunde vollständig epithelialisiert und die Patientin konnte wieder leichte Aktivitäten aufnehmen.

Fallbericht 3: Die Ferse als Problemzone – PRP zeigt Wirkung

Ein 40-jähriger Mann verletzte sich bei einem Sturz an der Ferse. Nach Wundreinigung und Debridement wurde PRP aus 70 ml Blut hergestellt und um die Wunde injiziert. Die Nachsorge zeigte eine kontinuierliche Gewebeheilung, mit ausgeprägtem Granulationsgewebe nach fünf Wochen. Nach zehn Wochen war die Wunde vollständig verheilt und der Patient begann mit Physiotherapie.

Biologische Turboheilung: Wie PRP wirkt

Was macht PRP so besonders? Entscheidend ist die hohe Konzentration an Wachstumsfaktoren, die den Heilungsprozess deutlich beschleunigen kann. Substanzen wie PDGF, TGF-β und VEGF gelten als zentrale Akteure der Zellregeneration und fördern die Neubildung von Gewebe. Gleichzeitig wirkt PRP entzündungshemmend, indem es übermäßige Immunreaktionen moduliert – ein klarer Vorteil bei offenen Wunden, bei denen das Infektionsrisiko erhöht ist. Darüber hinaus unterstützt PRP die Zellmobilisation: Wichtige Zelltypen wie Fibroblasten, Keratinozyten und Endothelzellen werden gezielt in das Wundgebiet gelockt, wo sie die Heilung aktiv vorantreiben. Die Herstellung ist dabei unkompliziert: Nach der Blutentnahme wird das Material zentrifugiert, das plättchenreiche Plasma abgetrennt und mit Calciumchlorid aktiviert – und kann anschließend direkt appliziert werden.

Praxistipp

Was bedeutet das für die Praxis? Wer offene Fußverletzungen behandelt, sollte PRP als ergänzende Option auf dem Schirm haben – insbesondere bei komplexen oder schlecht heilenden Wunden. Die Anwendung ist wenig invasiv, komplikationsarm und lässt sich gut in bestehende Behandlungskonzepte integrieren. Gerade bei jüngeren, aktiven Patient:innen kann PRP die Weichen für eine schnellere Rückkehr in den Alltag stellen.

Quellen:

Sahoo et al. (2025): The Use of Platelet-Rich Plasma in the Treatment of Open Foot Injuries: A Case Series and Literature Review. Journal of Orthopaedic Case Reports, DOI: 10.13107/jocr.2025.v15.i02.5240.

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